Der Professor (John Katzenbach)

Eine Rezension zu John Katzenbachs neuem Bestseller:

John Katzenbachs neuster Psychothriller 'Der Professor' handelt von einem pensionierten Psychologieprofessor, Adrian Thomas, der von seinem Arzt zu Beginn des Romans eine niederschmetternde Diagnose bekommt: Eine besondere Form der Demenz, welche ihn geistig rapide dahinraffend schon in Kürze zu dem machen würde, wovon sich ein gebildeter Akademiker wohl am meisten fürchtet: Seinen Geist, Intellekt und sämtliche gesammelte Fähigkeiten zu verlieren, die nicht nur den Großteil seiner Persönlichkeit konstituieren sondern einen ein Leben lang maßgeblich begleitet und definiert haben.
Auf sein Leben zurückblickend und feststellend, dass alle Personen die ihm in seinem Leben wichtig waren, bereits von ihm gegangen sind, entschließt sich der Professor zum Freitod. Doch gerade dabei sein Leben zu beenden wird er Zeuge einer Entführung: Direkt auf der Straße vor seinem Haus bemerkt er wie ein etwa sechzehnjähriges, dunkelblondes Mädchen niedergeschlagen und in einen Lieferwagen gezerrt wird.
Schon bald stellt sich heraus dass Adrian der einzige ist, der dem verschwundenen Mädchen helfen kann, da die Polizei ihren Vorschriften folgend unfähig ist einzugreifen, zumal die Glaubwürdigkeit des Zeugen stark beeinträchtigt ist.
Somit findet sich Adrian, von Halluzinationen und rapider geistiger Deterioration beeinträchtigt, in einem hoch spannenden Wettlauf gegen die Zeit wieder, in welchem er als einziger in der Lage ist, das verschwundene Mädchen wiederzufinden.
Im Kampf gegen ein skrupelloses und hochintelligentes Entführerpärchen, kann der Professor nur auf seinen Verstand verlassen, der ihm aber immer mehr zu entgleiten droht.


Bei der Lektüre dieses neuen Werkes von John Katzenbach, stellen sich dem aufmerksamen Leser natürlich einige Fragen, die zum Nachdenken anregen.
Zuerst verwundert von der eigenartigen Wahl des Protagonisten, findet man sich schon bald wieder zwischen Faszination und Angst: So leicht es einem fällt sich mit dem gebildeten und intellektuellen Professor zu identifizieren, den der Hauptdarsteller einst darstellte, verängstigt es einen umso mehr mit seiner aktuellen Situation konfrontiert zu werden. So taucht man im Verlauf des Buches immer mehr in die Welt des Dementen ein und muss sich unwillkürlich mit der eigenen Vergänglichkeit des Geistes und dem Sinn eines lebenslangen Lernens auseinandersetzen.
Von der detaillierten Beschreibung der kriminellen Machenschaften der Entführer, der Vermarktung ihrer Misshandlungen auf einer Webseite, bis hin zu episodenhaft dargestellten Einblicken in die Welt ihres Zielpublikums, ausgehend, eröffnet sich dem Leser schon bald ein erschreckend realistisches und gewaltiges Bild der Welt dieser Verbrecher, welche jedwede Distanz zur Entführung aufhebt und einen unmittelbar in die beklemmende und verstörende Realität der entführten Jennifer stößt.

Genau diese eindrucksvolle Fähigkeit knallharte Realität zu vermitteln ist es, die sein Publikum an ihm liebt: In 'Der Professor' demonstriert John Katzenbach eindrucksvoll aufs Neue diese Fähigkeit das Denken und Handeln der Charaktere derart authentisch zu schildern, sodass man tief in die von ihm beschriebene Welt eintaucht.
Einige Schwächen des Romans, wie die etwa im Hauptteil plötzlich wie weggeblasene Verwirrung und Demenz des Professors, welche sonst zu zusätzlicher Dramatik aufgrund des besser informierten Lesers hätte führen können; sowie kleine Ungereimtheiten, wie etwa die Leichtigkeit mit der Adrian den Standort des Verbrecherpaares lokalisieren kann, von der bisher immer gesagt wurde, dass selbst hochspezialisierte Fachkräfte des CIA einige Mühe damit hätten, stören das Lesevergnügen dabei meines Erachtens kaum.
Ist man an knallharter Action und Handgemenge interessiert, sollte man eventuell eher nach einem guten Thriller greifen, da einen die teilweise langen Gespräche und Gedankengänge langweilen könnten; aber genau diese jedoch sind es, welche John Katzenbach erneut einen herausragenden Psychothriller schrieben ließen, in welchem er es aufs Neue schafft seine Leser direkt zu ergreifen und hautnah ins Geschehen eintauchen zu lassen ' oftmals vielleicht sogar näher als es diesen lieb gewesen wäre!

Nicht zuletzt aufgrund des besonders dramatischen und bewegenden Endes, welches in beinahe verstörendem Maße zum Nachdenken anregt, als es den Leser mit einem beklemmend fasziniertem Gefühl zurücklässt, gebe ich diesem Roman ganze 5 von 5 Punkten, da er geringere Schwächen in hohem Maße zu kompensieren weiß und unbedingt gelesen werden sollte!

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